Enduroabenteuerlehrgang 07-2004 mit Enduroonline in Rumänien

 

Ein Bericht von Jeff ,dem Franzosen und Manu, der Österreicherin. Wir bedanken uns für diesen ausführlichen Bericht und der entstandenen Mühe!

 

EINLEITUNG

Als neue Teilnehmer dieser Veranstaltung wurden wir, Manuela und ich, verdonnert einen Bericht über unsere Erfahrungen in Rumänien im Juli 2004 zu verfassen. Warum Rumänien? Weil Walter der Össi mehrmals mitgefahren ist und oft von Rumänien, bzw. von der enduroonline.de Veranstaltung geschwärmt hat. Außerdem, wenn man kein Rennen fahren möchte, verschwinden die Gebiete in denen man Enduro fahren kann so schnell wie Neujahrsvorsätze. Ich hatte auch schon mit der Enduromania geliebäugelt aber was ich darüber in Erfahrung bringen konnte hat mich nicht vom Hocker gerissen. Diesmal haben außer Manuela und ich nur Walter, seine Frau Alexandra und sein Sohn Daniel(Die Landplage! Anmerkung vom Tourguide) teilgenommen. Ich wollte schon Ostern mitfahren, aber eine Knieoperation hat dies erfolgreich verhindert.

 

ANFAHRT

Zuerst möchte ich ein wenig über der doch recht langen Anfahrtsweg berichten, aus der Sicht von jemand der ein ganz normalen PKW fährt der ein Hänger mit 2 Motorräder zieht. Da Manuela noch am Samstag arbeiten müsste, sind wir nachgefahren. Ungarn wie üblich ohne Probleme. In Rumänien bis Balhaseria sind die Strassen gut und wenn man die Geschwindigkeitsbeschränkungen generell und ins besonders in den langgezogenen Ortschaften ignoriert ist der Schnitt durchaus annehmbar. In den Städten gibt es auch keine Orientierungsprobleme, selbst wenn man die LKW Umfahrungen (miese Strassen) nicht nimmt. In einer Stadt, ich weiß nicht mehr welche, gibt es völlig unerwartet und ohne Vorwarnung auf der rechten Spur einer 4 spurigen Strasse einen tiefen Krater in dem man locker ein halbes Motorrad verschwinden lassen könnte. Gut dass ich auf der Überholspur war. Ab Sovata ist es eine Stossdämpfer-Sonderprüfung. Ein Meer von Schlaglöchern, die auch die Einheimischen umfahren. Viele sind harmlos und können ab einem bestimmten Tempo ignoriert werden, aber dann, kommen wieder einen oder mehrere Krater. Manchmal war ein Ausweichen aufgrund des Gegenverkehrs nicht möglich oder ich habe die Riesenlöcher zu spät wahrgenommen (fürchterliche Flüche). Und dann, hieß es, 4 Kilometer zum Dorf, in einer Serpentine, rechts in einer Linkskurve in einem Feldweg abbiegen. Da runter? Mit meinem normalen Auto? Bin ich überhaupt richtig? Haben die eine Schraube locker? Nach mühsamen 100m auf einem steinigen rutschigen Gefälle erstmals anhalten den ich orte ein Schlammloch. Telefonisch wurde uns bestätigt dass es der richtige Weg ist. Die Gruppe war irgendwo unterwegs und konnte uns nicht entgegenkommen. Nach der Steigung solle ich rechts am Baum vorbei und dann links abbiegen, durch das Feld rechts halten, durch 2 Gatter und dann würde ich das Haus sehen. Die Paar Kilometer Offroad hatten ihren Preis: das Endstück des Auspuffs sowie die Elektrik der Anhängervorrichtung wurden abgerissen (noch mehr fluchen). Die Motorräder wurden abgeladen und schon kam die Gruppe die Ihren Weg zurück dank GPS doch noch gefunden haben. Nach einer herzlichen Begrüßung ging es zum Abendessen.

 

UNTERKUNFT

Ziga "kleiner Bär": wurde wahrscheinlich so genannt aufgrund der Geräusche die Nacht aus dem Schlafsaal zu hören sind. Manuela hat Ohrstöpsel gebraucht. Ich habe keine Ahnung wer die Schnarcholympiade gewonnen hat. Ab jetzt müsste es Ziga "grosser Bär" heißen. Strom gibt es über ein Aggregat, was bedeutet dass die Biers leider nicht gekühlt werden aber, im Sommer 2004 ist es kein Problem. Warmwasser zum Duschen gibt es (Holzboiler). Gefrühstückt und abendgegessen wird im Nachbarhof der nur wenige Meter entfernt ist. Nach unseren Ausfahrten bin ich nur einmal geduscht zum Essen gekommen den ich hatte immer wieder etwas zu schrauben. DIe Unterkunft bezahlten wir direkt an die Bauern vor Ort.

 

1. Tag

Genereller Lehrgang mit praktischem Teil über Motorradeinstellungen (Federbein, Armaturen, usw.) was meine frisch erworbene KTM 400 EXC sehr zu gute gekommen ist. Gabelölwechsel auf Manuelas TT 350. Bremstraining auf der Wiese mit anschließender Ausfahrt. Die Auffahrten und sogar manche Felsen und Bäumen tragen den Namen von kaputtgegangenen Motorradteilen oder von Kursteilnehmern, die sich durch besonders spektakuläre Abgänge ausgezeichnet haben. André hatte sich, nur ein paar Tage vor der Veranstaltung, das Band einer seiner Knöchel gerissen und ich dachte schon ich müsste das Endurofahren nach Kroatien verlegen. Zu meinem Erstaunen entschied sich André doch zu fahren.(Nur die harden kommen in den garden! Anmerk. Tourguide) Manche Bewegungen oder Aktionen dürften ihm doch tierisch weh getan haben. Dadurch wurde unsere Woche nicht so anstrengend wie erwartet (oder befürchtet) den er konnte seine sadistische Begeisterung für rutschige Auffahrten und Scheißpassagen nicht voll ausleben. Irgendwann im Laufe des Nachmittags bricht meinen einen Tag alter Kupplungshebel ab. Nach der Tour duschen wir und gehen abendessen.

 

 

2. Tag

Ausfahrt ohne Alexandra. Es gibt Auf- und Abfahrten, Bachdurchquerungen und Fahrten im Bach, alles was das Enduroherz höher schlagen lässt. Die Bäche führen glücklicherweise viel weniger Wasser als im Frühjahr. Der Sommer 2004 ist einen relativ mieser Sommer, die Temperaturen sind nicht besonders hoch und die Niederschläge häufig. Dies freut den Endurofahrer, aber seltsamerweise hatte ich mit der KTM Probleme Auffahrten raufzukommen die ich mit meiner XR 400 locker bewältigt hätte. Ich gebe meinen Hinterreifen zumindest eine Teilschuld daran. Ich will einen neuen aufziehen aber André meint dass ich weiter mit dem Hinterreifen fahren soll. Ich hätte nicht auf ihn hören sollen. In einem verlassenen Steinbruch versuche ich Manuelas TT anzukicken, obwohl ich die KTM gekauft habe um eben dieser archaischen Startprozedur zu entkommen. Da bricht doch gleich die Kickstarterwelle ab (wieder fluchen). Das Kickstartergelenk hat einen Riss und wird von einem Schmied im Dorf geschweißt. Es muss wohl eine Fehlkonstruktion sein, da mir dieses Missgeschick in der Vergangenheit nicht nur einmal passiert ist. Ich habe also eine Ersatzwelle im Auto und montiere diese am Abend ein. Da ich stark kurzsichtig bin, lege ich meine Brille weg um besser sehen zu können. Ich trete auf meine Brille und fluche wieder mal fürchterlich. Dieses Missgeschickt ist mir auch schon mal in Marokko passiert als ich mich morgens an einem Bach waschen wollte. Ab dann sah ich sicher cool aus mit meiner optischen Sonnenbrille, besonders nachts. Diesmal lässt sich die Brille allerdings halbwegs zurechtbiegen. Ich gehe ungeduscht abendessen.

 

3. Tag

Ich schaue raus und fluche "scheiße es regnet". André liegt halbtot im Bett und es sieht nicht so aus, als ob er heute zum Leben erwachen wird. Walter schreit "André, Regen" und der Scheintote springt aus dem Bett und Brüllt "Regen, Geil!!". So verschieden können Meinungen sein. Ich bin Franzose und im Geiste Südländer, zudem bin ich Brillenträger und sehe bei Regen nichts. Ein gescheites Regengewand habe ich auch nicht dabei. ICH HAßE REGEN. Nach dem Frühstück brechen wir auf (ohne Alexandra) und der Regen wurde natürlich heftiger. Ohne Sicht versuche ich mitzukommen und nach einer gewissen Zeit fragt uns André ob wir weiter oder zurück fahren wollen. Dany will zurück, ich wäre auch nicht abgeneigt aber Manuela möchte weiter und Walter, trotz Probleme mit seiner XR (auch Brillenträger! Anmerk. tourguide)die immer abstirbt denkt nicht ans Zurückfahren, also muss sich unser Ziel lohnen. Wir fahren weiter. Manche Auffahrten schaffe ich mit meiner KTM als einziger nicht. André meint dass ich es mit einem anderen Reifen oder meiner XR auch nicht schaffen würde und schlagt mir vor, als Beweiß dafür, es mit Danys XR zu versuchen. Mit der XR bin ich ohne irgend ein Problem ganz locker raufgekommen. Warum hat die XR keinen magischen Knopf? Für ein Hobbyfahrer ist sie vollkommen ausreichend und plündert einem das Bankkonto nicht wie einen Grasser (der zu recht sehr umstrittene rückgradlose Finanzminister von Österreich, Land in welchem ich zur Zeit lebe) und die Bande regierender Blutsauger (ist das Fehlen eines Rückgrades nicht die Grundbedingung um in der Politik Erfolg zu haben?). Walter bricht mal kurz zusammen und jammert mit einer herzzerbrechenden Stimme "was soll ich ohne Zigarette tun? Ich drehe durch" als er ein durchnässtes Giftpaket rausholt, zusammendrückt und wegwirft. Ich erinnere mich daran dass er einige Neupackungen Zigaretten für unseren späteren Gastgeber im Rücksack hat, aber da hat er schon eine trockene Packung in einer anderen Rucksacktasche gefunden. Gerettet, er wird heute nicht Amok laufen. Ich muss noch meine KTM starten, weil es mit dem magischen Knopf doch einfacher geht, damit er seine Zigarette an ihrem Krümmer anzünden kann. Irgendwann hört es auch auf zu regnen. Ich merke kaum einen Unterschied denn ich bin völlig durchnässt. Wir sind am Ziel. Ein Dorf, keine Ahnung wo, bei sehr netten Leute die mir auch trockene Sachen überreichen den mein Ersatzleibchen ist im Rucksack ebenfalls nass geworden. Wir haben gut gespeist und ein wenig hochprozentige Flüssigkeit getrunken. Danach wurde uns ein Hang gezeigt den kein Fahrzeug, auch kein Traktor je bezwungen hatte. Alle schaffen die Auffahrt. Wirklich alle? Doch nicht alle, es gab da einen Franzosen mit einer KTM der nicht raufgekommen ist (wieder fluchen). Wir fahren an dem Köhler vorbei und Manuela gibt unsere ganzen Kekse einen ziemlich dürren Hund, der mehr Hunger als Angst vor uns hat. Dann kam das Gatschloch. André fährt durch, Walter folgt ihm, bleibt stecken und gibt, aus lauter Frust nehme ich an, Gas bis das Motorrad sich nicht mehr tiefer eingraben lässt. Die Nerven liegen bei manchen blank. Der Gewinner des Schreiwettbewerbes war eindeutig André(Anmerkung von Andre: Walter´s Sohn, genannt die Landplage erklärte mir, das war völlig unnötig! Hallo...alles ist unnötig was wir hier machen.). Mit viel Mühe und den Ganzkörpereinsatz von Manuela schafften wir die XR aus den saugenden Fängen des Schlamms zu befreien (unsere Hosen wurden danach nie wieder richtig sauber). Bei der ganzen Aktion musste ich an einen in Libyen getroffenen Reiseführer einer dieser hochbeinigen Reisebusse voller Münchner Studienreisende denken, die ihre Nase rümpften als sie uns, nicht wirklich salonfähige Motorradfahrer, sahen (Ich habe es sehr bedauert den es waren einige besonderst hübsche Studentinnen dabei). Er hatte uns gesagt, dass der Bus sich am nächsten Tag "eingraben" würde, natürlich bei jeder Tour an der selben Stelle. Die Buspassagiere würden den Bus ausbuddeln dürften damit sie den Eindruck mit nach Hause nehmen können, ein Abenteuer erlebt zu haben. Ist André auch so einer? Am Abend montiere ich einen neuen Hinterreifen und gehe wieder mal ungeduscht abendessen.

 

Tag 4

Alles fängt ganz normal an. Nach dem Frühstück fahren wir los, mit Alexandra. Nach kurzer Zeit macht mich André darauf aufmerksam dass ich vorne einen Plattfuss habe. Ich fahre zurück, montiere einen schon beschädigten Schlauch (wieder fluchen). Ich flicke einen Schlauch und montiere ihn. In der Zwischenzeit kommen Walter und Dany zurück um zu schauen warum es denn so lange dauert. Wir fahren dann ins Dorf um uns mit dem Rest der Truppe zu treffen. André ist verschwunden und wir suchen ihn kurz. Manuelas Kupplungsseil entscheidet sich nach jahrelangen treuen Diensten zu reißen. Allerdings kann er nichts dafür, denn der Kupplungshebel ist so verbogen dass sich der Nippel des Kabels nicht mehr drehen kann. Ersatz habe ich im Auto. Manuela und ich fahren zur Ziga zurück und Alexandra folgt. Manuela dreht Kreise während wir die Gatter auf- und zumachen. Ich bin am schrauben als Walter und Dany ohne André kommen. André erscheint ein wenig später und, launisch wie eine ältere Primadonna(Anmerkung von Andre: unverschämt, lassen mich einfach alleine sitzen, schmoll! ;-)), geht in eine Ecke schmollen, weil wir nicht mehr im Dorf zu finden waren. Manuelas Kommunikationsversuche bleiben erfolglos. Für später ist eine Tanzvorführung vorgesehen. Walter, Dany und ich entscheiden uns ein wenig rumzufahren. Am Tankhang jammert Walter den nachgekommenen André "die beiden Kröten (damit sind Dany und ich gemeint, ich eine Kröte?) fahren rauf wie nichts und ich nicht". Er schiebt fälschlicherweise die Schuld auf ein durchdrehendes Hinterrad, denn, wie er kurze Zeit später feststellt, hat seine XR zu wenig Öl und die Kupplung hat den Temperaturanstieg nicht gemocht und schleift. Wir fahren zurück. Die Tanzveranstaltung wurde abgesagt aber ein Fest wird vorbereitet. Alexandra und Manuela helfen dabei. Ich schaffe es noch vor dem Essen zu duschen. Das Essen ist reichlich und gut, besonders die echten Pommes frites. Dany gibt eine Wheely- und Stoppyvorführung mit einem Fahrrad, es wird getanzt, getrunken und gegessen. Am Abend wird ein Lagerfeuer angezündet. Dany flirtet ungehemmt mit einer süßen Rumänin oder vielleicht ist es umgekehrt. Ein Beweis dass ein jährlich wiederkehrender Riesendauerpickel auf der Nase, der Dany auch den Beinahmen Gonzo (von der Muppetshow) beschert hat, bei Frauen scheinbar gut ankommt. Plötzlich nehme ich neben dem Feuer Bewegungen wahr. Es sieht nach Kamasutra aus, aber man erklärt mir dass es sich um Bodenrandori handelt. Ich bin nicht ganz überzeugt da der dünne Michi und der Bärige Schwabe sich letztendlich doch die Kleider zerreißen. (Anmerkung von Andre: Judo ist international, und der Mischi hat mich ganz schön rumgelassen, und des von am Hering mit 65kg. Ich bin mich dann schämen gegangen! Hat aber trotzdem Spaß gemacht)

 

Tag 5

Der letzte Tag. Ich sehe ein ziemlich zerknitterten André der felsenfest behauptet dass er nie wieder ein Tropfen Alkohol trinken wird. Diesen Vorsatz habe ich schon sooo oft gehört und auch gelegentlich selbst ausgesprochen. Ich weiß dass diese Behauptung genau so ernst zu nehmen ist wie die Aussage eines Politikers. Nach dem Frühstück (ohne André) starten wir die Motorräder in Richtung Langosstand, wo wir ängstlich auf André schauen um bereit zu sein, sollte er den Inhalt seines Magen zur Schau stellen. Alles geht gut. Wie üblich ist die Ausfahrt toll. Ich schieße unnötigerweise Walters Scheinwerfer ab und Gonzo verbiegt sich fast seine Nase als er versucht einen sehr steilen Hang raufzufahren. Ich habe diesen spektakulären Überschlag rückwärts nicht gesehen den ich war dabei Manuela aus einem Bachbett zu helfen. Gonzomero (mero von Calimero wegen dem weißen Jethelm!!! den er trägt) hat Glück gehabt, nur ein Fußraster seiner XR hat sein Eierschalenhelm gezeichnet. Ich habe wieder einen Plattfuss, diesmal hinten, und muss mir auch noch von André anhören dass er noch nie, in all den Jahren, einen hatte. Was für eine Ungerechtigkeit. Abends montiere ich einen Ersatzschlauch und gehe ungeduscht Abendessen.

 

Der Abschied

Walter und André wollen morgens um 4h losfahren. Nachts regnet es ein wenig und ich denke "toll, wie werden ein Traktor brauchen". Um 1h nachts läutet Andrés Handy und ich denke "super, noch 3 Stunden und ich werde nicht wieder einschlafen können". Ich nehme also eine Schlaftablette und 2 Stunden später gibt es den allgemeinen Aufbruch denn, ich habe die österreichische Zeit und Walter sowie André die rumänische. Draußen ist es feucht, gespenstig nebelig und sehr dunkel. Wir verirren uns, fahren im Kreis. Nach einer gewissen Zeit und einer Aufklärungsfahrt von Walter erreichen wir die Strasse wo wir uns von einander verabschieden. Ich muss noch an der elektrischen Verbindung zwischen Auto und Hänger basteln, weil wie anfangs erwähnt, der Weg seine Maut gefordert hat. Der Auspuff von Walters Jumpy wurde ebenfalls beschädigt. Keine Ahnung wie viele Kopfwehtabletten er und seine Familie auf 100km gebraucht haben.

 

Fazit

André ist ein guter Trainer von dem ich einiges lernen und anderes wieder auffrischen konnte. Ich bin mit ihm gut ausgekommen obwohl er ein typischer Schwab ist (schaffe, schaffe, Häusle bauen; die Deutschen unter euch Lesern werden verstehen) und ich ein typischer Franzose. Z.B. liebt er seine Arbeit und ich betrachte jede Stunde die ich arbeite als eine Stunde die mir vom Leben gestohlen wird. Andrés Behauptungen wie "das ist eine geile Auffahrt", "es ist fast flach", "es hat Grip" haben nur für André Gültigkeit und sind mit Vorsicht zu behandeln!!!! Gatsch ist sein Element und ich bin nicht sicher ob ich wissen will wie der Kurs abläuft, wenn er gesund ist. Er hat ein gutes Auge für das Terrain und entscheidet sich meistens für die Scheiss schwierigeren Passagen. Wenn sich die Möglichkeit wieder mal ergeben sollte, werde ich sicher wieder mitfahren allerdings, um die Kosten zu senken und meine Nerven zu schonen, würde ich die letzten Offroadkilometer mit einem normalen Auto verweigern. Die Landschaft ist toll und die Leute freundlich. Die gefahrenen Strecken bieten Möglichkeiten die es im deutschsprachigen Raum schon lange nicht mehr gibt. Der Kurs eignet sich hervorragend für Hobbyfahrer und ambitionierte Fahrer. Wie üblich, sollten reine Anfänger, Nasenbohrer, Hosenscheißer, weinerliche Weicheier sowie andere Wappler sich nicht unter den erstgenannten mischen sondern um einen separaten Termin anfragen. Hirn- und rücksichtslosen möchtegern Enduristen sowie all die die es, besonders in Ortschaften, nötig haben zu beweisen was für tolle Hechte sie sind (meistens steht eh nichts dahinter außer Dummheit), sollten am besten vorm Fernseher hocken bleiben oder sich, wenn es doch nicht anders geht, auf Rundkurse austoben, aber auf keinem Fall sollten sie in Gebiete fahren in denen wir noch gerne gesehen werden. (Anmerkung von Andre: Recht hat der Jeff! Im Mai hatte ich solche Ochsen dabei, nie wieder mit solchen Menschen gehe ich in den Urlaub!)

 

Knubbelchens Eindrücke

Da Jeff schon alles so ausführlich beschrieben hat, will ich mich auf ein paar Erlebnisse beschränken. Diesen seltsamen Namen "Knubbel" bekam ich von Andre gleich am ersten Abend verpasst, als ich als Traditionsbrecherin mich standhaft weigerte ein Glas Unicum zu trinken. WÖÄH!! Ich würde lieber 1oo mal Walthers XR eigenhändig aus dem Gatsch ziehen als nur einmal daran zu nippen. Andre und ich hatten einen schlechten Start, weil ich eine genauso empfindliche Mimose wie er es ist, bin. In dieser Hinsicht seelisch verwandt zu sein, hat uns vielleicht zusammengeschweißt, sowie unsere gemeinsame Vorliebe für Regen und Gatsch. Die ungarischen Rumänen sind so warmherzige, liebe Menschen. Überall wird man gastfreundlich empfangen und man fühlt sich sofort wohl. Der laute (wenn er nicht grade eine soundstarke Chopper im Kopf rumschwirren hat - Kater) Schwabe, den ich im Laufe der Woche sogar etwas liebgewonnen hab entpuppte sich als guter Trainer, der es verstand, mir Selbstvertrauen zu geben. Plötzlich tuckerte ich schlammige Hänge, sandige Hügel und steingespickte Bäche rauf oder runter, dass ich aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Außer den euphorischen Adrenalinsstößen die ich nach einer bewältigten, vorher für mich unfahrbar gehaltenen Auffahrt hatte, waren für mich besondere Highlights:

Köstliche, fetttriefende Langos, das knisternde Lagerfeuer unter einem Sternenübersäten Himmel mit freundlichen Menschen, die herrliche Ruhe, wenn ich es aufgab das nächtliche Schnarchkonzert zu ignorieren um einzuschlafen, und die Ohrstöpsel an ihren Platz brachte, die bäuerlich einfachen und deshalb so wohlschmeckenden gemeinsamen Mahlzeiten, der verhinderte ungarische Intellektuelle, der mir in einem mit roten Teppichen ausgekleidetem Raum auf seinem Keyboard ein Ständchen brachte, der kleine, vor Hunger zitternder Hund der mir Kekse aus der Hand fraß und die eindrucksvolle, wildromantische Landschaft, in der einem passieren kann, dass eine Herde wilder Pferde deinen Weg kreuzt. Eine abenteuerliche Zeit, hat mir viel Spaß gemacht. Außerdem finde ich, dass ich dank Andre, einiges dazu gelernt hab. Auf dass die in mir wohnende Mimose sich zum Eisbär scheren möge!

 

Euer Knubbelchen

 

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