Anfang Januar 2004 stolperte ich beim Internetsurfen über die Homepage von enduroonline.de. Spontan entschloss ich mich einen einwöchigen Endurolehrgang, bzw. Endurourlaub im April zu buchen. Ich schickte eine Email an Andre, worauf mich dieser am nächsten Tag anrief. Wir wurden uns sehr schnell einig, und vereinbarten, dass er mich abholen würde.
Die nächsten Monate versuchte ich mich und meine WR 426 in Form zu bringen, was zumindest bei meinem Moped kein Problem war.
1. Tag: Anreise
Am Freitag den 2. April um 7 Uhr war es dann soweit. Der schon etwas gestresste Tourguide stellte sich kurz vor und dann luden wir auch schon meine Yamaha und mein restliches Graffl in den Sprinter ein. Wir fuhren sofort los und waren bald in Österreich. Es war erstaunlich wenig Verkehr und wir kamen gut voran. Meine einzige Sorge war, was passieren würde, wenn Andre der Proviant ausgehen würde. Er hatte leider "nur" eine Kühltasche voll mit belegten Broten dabei. Wir hatten jede Menge Gaudi, und konnten uns so etwas kennen lernen. Nach diversen Tankstopps, einer schnellen Grenzüberquerung nach Ungarn erreichten wir unser Tagesziel, ein Motel 20 km vor der rumänischen Grenze um 19 Uhr.
Dort trafen wir die zwei österreichischen Teilnehmer, Walter Roth und seinen 13 Jährigen Sohn Dany. Da sich die Drei schon länger kannten, gab es eine sehr herzliche Begrüßung. Beim anschließenden Abendessen verzweifelte Andre fast an unseren Dialekten. Wir gingen dann aber bald schlafen, da um 4 Uhr in der früh der Letzte zu unserer lustigen Truppe stoßen wollte.
2.Tag: immer noch Anreise
Gnadenlos weckte mich Andre´s Handy um 4 Uhr. Also schnell Zähneputzen und ab ging´s zum Frühstück. Wir wurden schon von den Österreichern und unserem ungarischen Neuzugang Nandy, einem Arbeitskollegen von Walter, erwartet. Nandy wurde von Andre und mir kurzer Hand Heidi getauft, da wir uns diesen Namen besser merken konnten. 2 Tassen Kaffe später fuhren wir los. Nach einer etwas langwierigen Grenzüberquerung machten wir einen kurzen Tankstopp und fuhren dann durch eine hässliche, verdreckte Großstadt. Nach einer etwas abenteuerlichen Überlandfahrt erreichten wir schließlich um 12 Uhr das Dorf. Von dort waren es nur noch ca. 2 km bis zu unserem endgültigen Ziel, der Ziga. Doch der "Weg" dorthin war so verschlammt, dass Andres Sprinter stecken blieb und nur noch mit Hilfe eines Traktors geborgen werden konnte.
Endlich waren wir angekommen !!! Wir wurden sehr herzlich von "Steimetz-Mischi" und seiner Familie begrüßt. Wir wurden sofort mit etwas "Zitronenlimonade" und frischem Brot verpflegt.

So gestärkt bezogen unser Quartier, luden unsere Ausrüstung aus und machten uns fertig für die erste kleine Ausfahrt. Wir wärmten uns mit etwas Slalomlaufen auf, und um 14 Uhr ging´s endlich los. Andre führte uns an einen kleinen Bach an und in dem wir unser "Können" vorführen konnten. Unser Guide schaute sich unser Elend an und kommentierte es mit freundlich gebrüllten Tipps, wie z.B. " Nimm den Finger aus dem Ar... und rechts auf laut! Ellenbogen in die Höhe! Druck auf die Rasten!"
Wir übten eine Weile in diesem Bach und bekamen immer wieder hilfreiche Tipps von Andre. Wir alle waren sehr überrascht über Heidis Fahrkönnen, da dieser das erste mal Offroad unterwegs war.
Dann fuhren wir zu einem Steilhang mit 1-2 m Wellen. Hier konnte man so richtig angasen! Auf dem noch schneebedeckten Gipfel lag ein großer Felsen, der uns großen Respekt abverlangte. Nach kurzem Zureden von Andre fuhren aber dann alle über diesen Felsen. Wir waren überrascht, wie einfach das war!!! (Ich weiß Andre, reine Kopfsache!) Dann fuhren wir ein paar Meter und kamen in Gelände das mit kleinen Hügeln, Felsen und Büschen garniert war. Hier war dann schon fast trialen angesagt. Heidi war nun endgültig erledigt, also machten wir uns auf den Heimweg. Ein paar Hänge, Bachdurchfahrten und Wiesen später, erreichten wir unsere Unterkunft. Dort erwartete uns schon "Mischi-Mischi", der Sohn von "Steimetz-Mischi". Während unseres Aufenthalts sorgte er dafür, dass es immer gemütlich eingeheizt war, und am Abend der Stromgenerator lief. Bei unserem anschließenden Service stellten wir verwundert fest, dass wir in den 5 Stunden nur 14 km geschafft hatten. Wir waren erschöpft, aber begeistert von der herrlichen Landschaft.
Nachdem wir uns im Eiltempo geduscht hatten, bekamen wir von der Frau von "Steinmetz-Mischi" ein hervorragendes Abendessen serviert. Anschließend sahen wir uns die Photo des Tages an, und gingen ins Bett.
3. Tag: Jetzt wird´s ernst!
Nachdem wir ausgeschlafen hatten, bekamen wir ein üppiges Frühstück. Dann wollten wir nur noch rein in die Klamotten und los! Doch zuerst kam Andres Aufwärmprogramm dran! Mopedwettschieben und diverse Dehnübungen brachten uns zum schwitzen. Dann aber endlich rein ins Unterholz, und ab durch ein Schlammloch. Dieses Loch wurde uns bald sehr vertraut, da wir jeden Morgen und Abend unseren Spaß darin hatten. Wir kamen zum "Tankhang". Der Anlauf dazu hat eine schöne Senke, an der man jeglichen Schwung verliert. Der Hang ist dann mit großen Steinen, Ästen und rutschigem Laub bestückt. Walter , Andre und Dani meisterten ihn relativ problemlos. Heidi und ich mussten nach ein paar erfolglosen Versuchen aufgeben. Das nächste Schmankerl war dann der Tannenhang. Nach ein paar Bachdurchfahrten standen wir plötzlich vor ihm. Ein schmaler Weg endet irgendwo im Wald. Andre gibt noch letzte Tipps und los geht´s. Die erste Hälfte ist relativ leicht und kann mit viel Gas gefahren werden. Doch dann kommt ein Felsen in Sicht und ab da kommen ein paar tiefe Senken. Nach mehreren Versuchen erreichen alle außer Heidi den Gipfel. Bei den Abfahrten übten wir gleich noch das Bergabfahren im Stehen, immer begleitet vom freundlichen Brüllen unseres "Trainers". Wir folgten einem Bachlauf, durchquerten ihn immer wieder. Die nächste Stunde probierten wir mehrere knifflige, teilweise sehr steile Hänge, fuhren durch den Wald. Ständig hatten wir mit Ästen , Steinen und rutschigem Laub zu kämpfen. Nach einer schneebedeckten Wiese, an der Heidi seine letzten Reserven verglühte, kamen wir an einen schlüpfrigen Hohlweg. Walter probierte es zuerst, brach noch schnell seinen Bremshebel ab, dann beschlossen wir wegen dem sichtlich gezeichneten Heidi die Tour zu entschärfen. Wir fanden eine kleine Wasserrinne, in der wir talwärts bis zu einem Bauernhof fuhren. Hinter dem Hof sah Andre zwei große Felsen. Er hielt sofort darauf zu, und verschwand dazwischen. Es folgte eine hinterfotzige Schotterauffahrt, an der wir uns eine "gemütliche" halbe Stunde spielen sollten.



Es war eigentlich nur eine Senke mit losem Schotter, aber man hatte keine Möglichkeit Schwung zu holen. Walter konnte die Stelle mit Unterstützung noch meistern, aber Dany und ich versuchten es immer und immer wieder. Selbst nachdem ein durch unseren Lärm angelockter Bauer mit seiner Axt einen hinderlichen Dornenbusch "eliminiert" standen wir vor einem unlösbaren Problem. Andre grinste nur, schnappte sich unsere Mopeds und fuhr sie aus dem Schlamassel heraus. Peinlich, peinlich! Es folgten noch ein paar Feld- und Waldwege, ein kurzer Tankstopp und endlich waren wir daheim. 27 km in acht Stunden! Alle waren ziemlich erledigt, nur unser Tourguide war noch quietschfidel. Ich beschloss, dass es so nicht weiter gehen konnte. Andre bekam nun jeden Abend eine Hirnspülung mit Schnaps und Bier. So richtig ging aber meine Taktik leider nie auf.
4.Tag: Langsam tut´s weh!
Schon beim Aufstehen wurde klar das jeder mittlerweile die eine oder andere Schramme ab bekommen hatte. Nach dem Aufwärmen (Fangstl), ging´s wieder durch unser Schlammloch zum Tankhang. Diesmal stellte ich mich nicht so mädchenhaft an, und ich schaffte es ohne Probleme. Nach mehreren Anläufen waren alle bis auf Heidi oben angelangt. Zum Abkühlen fuhren wir dann 500 m in einem Bach. Heidi war hier in seinem Element.
Wir überlegten schon ob wir ihm einen Schnorchel verpassen sollten, denn kein Gumpen war ihm zu tief. Ich hatte Anfangs so meine Probleme, aber nachdem ich Andres Ratschläge befolgte, ging es immer besser. Bei der Fahrt zum kleinen Urlaubshang lernte Walter sehr schnell, dass man sich nie einem Monsterkürbis ungefragt von hinten nähern sollte, außer man findet Ganzkörperfangopackungen total geil!

Anschließend zeigte die rumänische Heilerde aber ihre Wirkung, Walter flog den kleinen Urlaubshang nur so hinauf als wäre er gar nicht da. Der Rest (bis auf Heidi) folgte ihm dann aber auch mit mehr oder weniger Versuchen hinauf. Danach vergnügten wir uns mit ein paar Bachdurchfahrten, bis wir vor dem Ständerhang standen. Schön steil, aber keine besondere Schwierigkeit bei Trockenheit. Alle hatten bei dieser Auffahrt einen riesen Spaß! Die anschließende mit Büschen und Bäumen bewachsene Ebene lud zum Spielen ein. Wir fuhren kreuz und quer durchs Gemüse, bis wir alle eine Pause brauchten. Der anschließende Hang war extrem lang, steil und rutschig. Nach kurzer Zeit lagen Motorräder und Fahrer überall im Wald verstreut herum. Kaum hatten wir uns bei der Fahrt über ein paar Wiesen und etlichen Bachdurchfahrten "erholt", kamen wir an einen felsigen schmierigen Hohlweg. Hier lautete die Devise: "Lieber das Leben als den Schwung verlieren!!!" Leider fuhren sich Dany, Heidi und ich uns so fest, so dass wieder mal Andre in Aktion treten musste. Ich schäm mich ja so! Der Weg endete bei ein paar Holzfällern, die uns etwas entgeistert anschauten.
Nach einer längeren Pause mussten wir uns einen Weg über den Bach suchen, da der eigentliche "Weg" durch unzählige gefällte Bäume versperrt war. Doch mit vereinter Hilfe gelang es uns die Mopeds ans andere Ufer zu bringen. Dann ging´s durch den Wald und über Wiesen. Hier machten wir erneut eine lange Pause. Im Anschluss trainierten wir die korrekte Körperhaltung beim Bremsen und Beschleunigen im Stehen, auf einer großen Wiese. In der nächsten Stunde überquerten wir ein schneebedecktes Plateau, fuhren auf vereisten Wald- und steinigen Feldwegen, fanden eine krasse Waldabfahrt, usw. Es fällt sehr schwer sämtliche Einzelheiten aufzuzählen, da diese nach einiger Zeit "normal" erscheinen und in der Summe der Eindrücke fast untergehen. Jedes dieser Schmankerl, wäre in Deutschland schon ein Geheimtipp für eine saftige Endurorunde!
Wir kamen zum WR-Hang den wir vergeblich zu bezwingen versuchten (außer Andre). Danach machten wir uns auf den Heimweg. Nach einer lockeren Fahrt durchs Unterholz, bekam jeder noch seine Schlammpackung in "unserem" allabendlichen Schlammloch.
An diesem Tag waren wir fleißig, 28 km in 8 Stunden. Anschließend Service, Duschen und Abendessen. Bei den abendlichen "Benzingesprächen" stellte es sich heraus, dass Heidi auf seinem heiß geliebten Hightechhandy dutzende Bilder von unangezogenen Frauen in den unmöglichsten Körperhaltungen mit sehr interessanten Gegenständen hatte. Er wurde deshalb in "Porno-Heidi" umgetauft.
5. Tag: Waschen, legen, kicken!!!
Beim Aufstehen war schon ein allgemeines Jammern zu hören. Aber nach dem Frühstück machten sich dann doch langsam alle fertig. Wir wärmten uns kurz auf und fuhren gleich zum Tankhang. Dort kehrten Dany und Walter zur Ziga zurück um Batterien für ihre Kamera zu holen. In der Zwischenzeit probierten Porno-Heidi, Andre und ich den Hang zu bezwingen. Da es aber in der Nacht geregnet hatte, schaffte es nur (wie kann es anders sein) unser heldenhaft kämpfender Tourguide nach oben. Nach einer kurzen Pause kamen unsere Österreicher wieder zurück. Sie waren ziemlich erledigt, da sie sich im Bach festgefahren hatten. Wir fuhren in Richtung kleiner Urlaubshang und mussten dabei feststellen, dass der Bach wesentlich mehr Wasser führte als an den Vortagen. Bei einer der folgenden Durchquerungen passierte es dann schließlich. Dany verlor etwas den Halt, und legte sich und seine XR in den Bach. Nachdem wir sein Moped entwässert und wieder in Gang gebracht, nutzte er die Gelegenheit und fuhr mit Walter zum Umziehen. Wir wollten uns dann am kleinen Urlaubshang treffen. Ein paar Bachdurchfahrten später erreichten Andre, Porno-Heidi und ich den Hang. Hier konnte wieder mal nur Andre (wird langsam langweilig) den Berg bezwingen. Ich gab nach mehreren Versuchen und einem abgebrochenen Bremshebel auf.
Nachdem alle wieder zusammen waren fuhren wir auf einem zerlöcherten, steinigen Feldweg (Hauptstraße??) durch´s Dorf zum langen Urlaubshang. Der Anlauf war aber so matschig , dass es keinem gelang genügend Schwung für diesen extrem steilen Hang zu holen. Jeder Versuch endete irgendwo in den Büschen. Mit viel Gas und etwas Glück schaffte ich dann den Hang. Na ja, zumindest dass was ich für den Hang hielt. An der Kante angekommen sah ich genau den selben Hang wieder vor mir. Dort verlor ich dann den Schwung, und musste abbrechen. Nachdem ich mich ungefähr 20 Minuten nach unten gekämpft hatte, erzählte mir Walter, dass das nur das erste Stück wäre. Der ganze Hang ist insgesamt ca. 1,5 km lang!!!
Andre führte uns dann in einen malerischen Bachlauf in dem sich nach seiner Aussage schon Dramen abgespielt hätten. Bei der Todesinsel beschloss Dany sich und seine XR abzukühlen.



In Rekordzeit legten wir daraufhin Dany und sein Moped wieder trocken. Jetzt weis ich wenigstens was man unter Motorwäsche versteht! Die folgende Stunde spielten wir uns entweder im Bach oder an den gemeinen Steilufern. Bei der Heimfahrt beschloss ich spontan für etwas Abwechslung zu sorgen. Bei einer Bachdurchfahrt versetzte es mir derartig das Hinterrad, so dass ich meinen ersten Tauchgang machte.
Jetzt ging aber alles wie geschmiert. Bis ich mich ausgezogen, meine Klamotten ausgewrungen und wieder angezogen hatte, war mein Moped schon komplett zerlegt. Man hätte fast meinen können, meine WR wäre explodiert.
Das einzige was eine Jahresbestzeit im Motorradentwässern vereitelte, war ein Stein im Zündkerzenschacht. Als stellten wir die Yamaha mal schnell auf den Kopf!
Danach war der Rest schon Routine. Kerze raus , leer treten, Kerze rein, ankicken und weiter ging´s. Beim Heimweg sauten wir noch schnell unsere viel zu sauberen Mopeds in unserem Schlammloch ein. Bei der Ziga angekommen beschlossen wir den Service auf den nächsten Tag zu verschieben und einen Ruhetag einzulegen. Alle waren ziemlich erledigt, obwohl wir "nur" 19 km in 7 Stunden gefahren waren. An diesem Abend gingen alle sehr früh schlafen.
6.Tag: Wandertag
Nachdem wir sehr lange geschlafen hatten, frühstückten wir gemütlich. Dann war Endurowandern angesagt. Trotz des Regens gingen wir die gleiche Strecke, die wir sonst fuhren, zu Fuß. Nach mehreren Bachüberquerungen gelangten wir auf die Hauptstraße, und schließlich ins Dorf.
Dort besuchten wir den Töpfer, den Schmid und den Steinmetz. Da Andre noch zum Bürgermeister wollte, trennten wir uns. "Steinmetz-Mischi" nahm uns ein Stück in seinem Dacia-Pickup mit, den Rest gingen wir zu Fuß. (9 km in 6 stunden gelaufen, eine Schnecke ist ein Windhund dagegen!) Wir vertrieben uns die Zeit bis zum Abendessen mit allerhand Blödsinn. Beim Essen trafen wir dann wieder Andre. Dieser hatte etwas zuviel "Zitronenlimonade" erwischt und war ziemlich breit. Ich dachte mir, das kann ich noch viel besser. Also hatten wir noch einen sehr lustigen Abend.
Wir schliefen ausgezeichnet, nur unsere Österreicher hatten Angst, dass wir mit unserem Schnarchen Bären anlocken könnten!!!
7. Tag: Die Moral der Truppe ist am Boden!
Regen , 1° Celsius. Gemütliches Endurowetter.
Irgendwie hatte keiner so richtig Lust sich zu bewegen.
Aber wir waren ja nicht auf einem Kindergeburtstag eingeladen! Also Minimalservice, leichtes Aufwärmen und Dehnen, und los ging´s. Auf den ersten Metern ahnten wir schon was wir zu erwarten hatten. Der Boden war extrem schleimig, man musste relativ schnell unterwegs sein, damit die Reifen frei wurden. Auf der Fahrt über Wiesen und durch Büsche versuchte Walter wieder sich an Andres Heck ran zu pirschen. Doch das wurde sofort wieder mit einer Schlammpackung bestraft.
Dann kamen wir zu einem Köhler, so etwas hatte ich noch nie live gesehen.
Anschließend fuhren wir auf schlammigen, mit Wurzeln gespickten Waldwegen auf und ab. Auf einem Berg angekommen orientierten wir uns kurz, und fuhren dann in den Wald zurück. Nach einem kleinem Waldhang erreichten wir eine Rinne, der wir folgten. Die Rinne wurde aber nach kurzer Zeit immer weicher, und schließlich unfahrbar. Alle bis auf Walter konnten aus dieser Rinne herausfahren.
Er verfehlte die Ausfahrt und versenkte seine XR so tief im Schlamm, dass wir sie mit einem Seil heraus zerren mussten. Nach der Bergung machten wir eine kurze Pause und erkundeten kurz die nächsten Schwierigkeiten, eine knifflige Bachdurchfahrt und ein völlig durchweichter Hang. Andre machte den Anfang. Mit etwas Hilfe meisterte er die Bachdurchfahrt und kämpfte sich nach mehreren Versuchen über die Hangkante.
Ich durchquerte den Bach an einer anderen Stelle, wollte mir meine eigene Spur suchen und blieb an der Kuppe hängen. Wir halfen alle zusammen und beförderten nach und nach alle Motorräder nach oben. Klappspaten wäre sehr hilfreich gewesen! (Wir tauften den Ort "Goldgräberhang").

Danach fuhren wir über rutschige Waldwege und bucklige verbrannte Wiesen. Wir fanden noch eine schöne schlammige Auffahrt und ein paar nette Bachdurchfahrten. Hierbei schaffte ich es wieder mal einen Bremshebel abzubrechen.

Während ich diesen wechselte, schafft Porno-Heidi relativ problemlos eine sehr schwierige Variante der Durchfahrt. Wir kamen an eine Fläche die nur aus 1-2 m Buckeln bestand. Walter beschloss spontan, dass es an der Zeit wäre seine Öhlinsgabel abzustimmen. Wir fanden in einer Wiese eine wassergefüllte tiefe Rinne. Nachdem Andre darin fast einen Überschlag geschafft hatte, versenkte ich meine WR darin.
Durch das einsetzende Schneetreiben wurde es langsam ungemütlich, und wir machten uns auf den Heimweg. Unterwegs trafen wir einen Schäfer, der uns den Weg in die nächste Ortschaft zeigte. Dort fragte Andre nach dem Weg. Durch seine hervorragenden Sprachkenntnisse bekamen wir 3 Richtungen gezeigt, und irrten im Dorf umher. Schließlich fanden wir den richtigen Weg und fuhren über Feldwege, tiefe Straßengräben und bucklige Wiesen wieder in den Wald Richtung Dorf. Andre hatte dann noch die glorreiche Idee eine X-Trail Einlage einzubauen. Da ich auf Dany kurz gewartet hatte, sahen wir nur die Reifenspuren im Wald. Wir folgten ihnen bis zum fluchenden Walter, der etwas ratlos einen nicht vorhandenen Weg suchte. Wir standen an einer ca. 5-6 m hohen fast senkrechten Kante. Andre war 3 m höher abgebogen, wir konnten aber nicht mehr zurück. Walter versuchte sein Glück, und seine XR rutschte in zwei kleine Bäume. Wir legten unsere Mopeds ab und kamen ihm zu Hilfe. Wir zerrten und bogen an der Honda und den Bäumen. Plötzlich war sie frei und flog ungebremst ca. 3-4 m in die Botanik. Danach hatte die XR einen krassen Supermoto-Kotflügel. Die restlichen Motorräder erreichten in ähnlicher Weise den Boden, waren aber meist unversehrt. Nach unserem Schlammloch erreichten wir dann bald die gemütliche Ziga. Alle waren froh endlich im Warmen zu sein. Nach dem Abendessen schauten wir uns ein paar Videos an, tranken Bier und waren mit der Welt zufrieden.
8.Tag: Der Abschluss!
Am letzten Fahrtag waren alle so ziemlich am Ende, keiner wollte sich mehr so recht bewegen. Vor allem Walter unser Trockenwetterfahrer ("Ich hasse Gatsch!"), der arge Probleme mit seiner Hüfte hatte, hatte keinerlei Motivation mehr. Aber die deutsch-ungarischen Überredungskünste verfehlten dann doch nicht ihre Wirkung. Walter gab uns noch schnell einen Techniklehrgang (Kupplungswechsel an einer XR 400 unter endurotypischen Bedingungen), wir machten noch schnell einen kleinen Service, dann brachen wir auf. Wir hatten beschlossen es etwas gemütlicher angehen zu lassen, deswegen wählte Andre eine etwas entschärfte Route. Nach den üblichen Bachdurchquerungen, einem kleinen Tankstopp im Dorf, fuhren wir über steinige Feldwege und verschlammte Wiesen in den Wald. Dort waren standen dann diverse Trailübungen auf dem Programm. Als wir dann danach auf Waldwegen immer höher fuhren, waren die Wege plötzlich voller Schnee und Eis.

Hier stellte es sich heraus, dass Walter und vor allem Dany mit dem Schnee überhaupt nicht zurecht kamen. Aber sie kämpften sich verbissen durch, und so kamen wir zum Forsthaus. Leider war der Förster, ein guter Bekannter von Andre, nicht da.
Also fuhren wir weiter in den nächsten Ort um ihn zu besuchen. Dort war er aber auch nicht, darum fuhren wir weiter. Am Ortsende waren riesige Sägemehlhaufen, die wir natürlich sofort zum spielen nutzten. Da bei allen so ziemlich die Luft raus war, machten wir uns auf den Heimweg. Da wir wieder den selben Weg zurück mussten, kamen wir wieder zu den verschneiten Wegen. Andre, Porno-Heidi und ich machten ein kleines Rennen, Walter und Dany ließen es etwas ruhiger angehen.
Die nächste Stunde fuhren wir über schlammige Wiesen und zerfurchte Feld- und Waldwege bis zum Dorf. Walter und Dany fuhren dann auf direktem Weg, zur Ziga, der Rest machte noch eine kleine "Männerrunde". Wir durchquerten ein paar mal den Bach und kämpften uns noch durch zwei Schlammlöcher, bis wir auch total erledigt bei unserer Unterkunft ankamen.
Nach dem Duschen und dem Abendessen waren alle erschöpft, aber es wurde noch ein lustiger feuchtfröhlicher Abend.
9. Tag: Aufbruch
Am Vormittag wurden zuerst alle Motorräder mit dem Hochdruckreiniger gewaschen, dann die gesamte Ausrüstung eingepackt. Nach dem Frühstück versuchten wir dann die Autos auf die Hauptstrasse zu bringen. Was uns mit viel Schiebehilfe bei Walters Jumpy noch gelang, war bei Andres Sprinter völlig unmöglich.
Also mussten wir wieder den Traktor in Anspruch nehmen. Nach mehreren Stunden Wartezeit kam dieser endlich und schleppte uns bis zur Strasse. Wir verabschiedeten uns von "Steinmetz-Mischi" und seiner Familie, und fuhren los. Den einzigen Halt machten wir an einem Mc Donnalds wo sich Andre Unmengen von Fastfood reinstopfte, um seinen ausgehungerten Luxuskörper endlich wieder die gewohnte Nahrung zu zuführen. Sichtlich zufrieden fuhr er, mit einem Grinsen im Gesicht, weiter.
Am Abend überquerten wir ohne nennenswerte Probleme die rumänisch-ungarische Grenze. Kurz darauf kamen wir an das Motel, in dem wir bei der Anfahrt geschlafen hatte. Hier trennten sich dann unsere Wege. Nandy (Porno-Heidi), Walter und Dany wollten durchfahren bis nach Hause, Andre und ich wollten uns später eine Unterkunft suchen. Der Abschied war sehr herzlich und fiel allen sehr schwer.
Gegen 22 Uhr fanden dann Andre und ich eine kleine Pension, und gingen sofort schlafen.
10.Tag: Endlich daheim!
Da wir schon um 4:30 Uhr wieder unterwegs waren hatten wir sehr wenig Verkehr und kamen gut voran. Wir hielten nur zum tanken und für ein kleines Frühstück an, und erreichten schließlich um 11 Uhr die deutsch-österreichische Grenze. Eine Stunde später war ich dann auch schon zu Hause.
Fazit: Dieser Endurourlaub war total geil!!!!
An dieser Stelle ein dickes Lob an enduroonline.de! Durch die Auswahl der Teilnehmer und die perfekte Organisation wurde dieser Urlaub erst möglich. Die Hilfsbereitschaft und Andre´s Talent Fahr- und Motorradtechnik zu vermitteln haben mich begeistert. (Nein Andre, ich will dich nicht heiraten.)